Frauen in den Medien

10. August 2026Von Katrin Fischer
Research
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Neue Studie belegt deutliche Sichtbarkeitslücke

Gastbeitrag von Katrin Fischer

Die Zahlen sind eindeutig: Frauen bleiben in den Medien massiv unterrepräsentiert. Statt nur den Status quo zu beklagen, lohnt sich der Blick auf Lösungsansätze.

Wie oft sieht man in Medien eine Bankvorständin, eine Chef-Entwicklerin einer Softwarefirma, eine Projektleiterin aus einem Forschungsinstitut oder eine Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebs? Wie oft bringen Frauen in den unterschiedlichen Fachbereichen ihre Expertise ein und werden sichtbar? Und zwar als Expertin, als Entscheidungsträgerin, als Fachfrau, deren Meinung gefragt ist. 

Einem Teil dieser Fragen sind der Verein FELIN und die Agentur Media Affairs drei Monate lang nachgegangen, indem sie steirische Leitmedien analysierten. Insgesamt wurden dabei 15.000 Bilder aus Kronen Zeitung, Kleine Zeitung, ORF Steiermark und MeinBezirk ausgewertet. Das Ergebnis gibt eine klare Antwort: Lediglich 33 Prozent der in steirischen Leitmedien abgebildeten Expert:innen sind weiblich. Mehr Bildpräsenz ist für Frauen derzeit nicht drin. Im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2022 bleibt das Ergebnis somit unverändert. Wer die Ergebnisse im Detail sichtet, sieht sogar Rückschritte.

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Wo Frauen fehlen

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: In manchen Teilbereichen sind Frauen heute sogar noch weniger sichtbar als bei der letzten Erhebung. Zum Teil wohl auch dem allgemeinen gesellschaftlichen Backlash geschuldet. Deutlich zeigt sich das in der Wirtschaft: Hier liegt der Sichtbarkeitsanteil von Frauen bei lediglich 18 Prozent. Ein Minus von 5 Prozentpunkten gegenüber 2022. Das spiegelt auch reale Machtverschiebungen wider, wie die letzte FELIN-Studie aus 2025 zeigt: Frauen sind etwa in den ersten Führungsetagen der steirischen Top-100-Unternehmen nicht nur weiterhin stark unterrepräsentiert, in den Geschäftsführungen sank ihr Anteil zuletzt sogar von 7 Prozent (2023) auf nur noch 4 Prozent (2025). 

Noch stärker fällt der Rückgang in der Politik aus: Frauen sind aktuell nur zu 20 Prozent im Bild, vor vier Jahren waren es noch 11 Prozentpunkte mehr. Denn männlich geprägte Machtdemonstrationen auf internationaler Ebene sowie die angespannte geopolitische Lage dominieren den Diskurs und spiegeln sich auch in den steirischen Medien wider. Aber auch im österreichischen Nationalrat ist der Frauenanteil von zuletzt knapp 40 % auf aktuell 36 % gesunken. In der steirischen Landesregierung sind aktuell drei von acht Landesrät:innen weiblich; zuvor bestand ein paritätisches Verhältnis. Im steirischen Landtag liegt der Frauenanteil derzeit bei rund 29 %, zuvor bei 37,5 %. 

Auch in der Justiz sind Frauen mit 30 Prozent Sichtbarkeitsanteil seltener vertreten als 2022 (–15 Prozentpunkte). Die mediale Darstellung bildet hier jedoch nicht zwingend die tatsächlichen Verhältnisse ab: Bereits 2025 waren mehr als die Hälfte der Rechtsanwaltsanwärter:innen Frauen. Auch bei Richter:innen (58 %) und Staatsanwält:innen (54 %) zeigt sich laut BMJ ein deutlich höherer Frauenanteil.Weitere stark männlich dominierte Bereiche bleiben das Finanzwesen, der Spitzensport sowie Zukunftsbranchen wie die IT.

Wo Frauen vorkommen (und wie)

Die Studie zeigt außerdem: Die Darstellung von Frauen entspricht häufig einem bestimmten Muster. Sie kommen überwiegend dort vor, wo sie stereotypisch erwartet werden. Nämlich in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales sowie aktuell auch in Kultur und Landwirtschaft, häufig in traditionellen Rollendarstellungen, im Kontext von Schönheit oder als "Frau von" prominenten Männern. Und während Männer deutlich häufiger als Täter auftreten, werden Frauen überproportional oft als Betroffene oder Opfer von Gewalt sichtbar. Besonders markant ist hier der Anstieg: Der Anteil von Frauen in der Opferrolle liegt aktuell bei 83 Prozent, zuvor bei 59 Prozent. Diese Entwicklung hängt unter anderem mit verstärkter internationaler Berichterstattung über Gewaltfälle im Untersuchungszeitraum zusammen (etwa im Zusammenhang mit den Fällen Pelicot oder den Epstein-Files). Gleichzeitig trägt auch die hohe Zahl an Femiziden in Österreich dazu bei, dass Medien vermehrt über Gewalt an Frauen berichten. 

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Medien reproduzieren Rollenstereotype

Insgesamt zeigt die Berichterstattung weiterhin ein deutlich unausgewogenes Bild von Frauen und Männern. Die Herausforderung liegt dabei nicht nur in der geringeren Sichtbarkeit von Frauen insgesamt, sondern auch darin, dass weibliche Präsenz häufig auf stereotype Themenfelder konzentriert bleibt. Gleichzeitig dominieren Männer weiterhin jene Bereiche, die gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich besonders prägend sind. Dahinter zeigt sich ein Rollenverständnis, das sich hartnäckig hält: Männer werden mit Macht, Stärke, Expertise und Geld assoziiert. Sie sind die Entscheidungsträger, Experten, Kapitalgeber. Frauen hingegen werden vor allem über Schönheit und Fürsorglichkeit definiert. Genau diese Zuschreibung spiegelt sich in der medialen Sichtbarkeit wider. 

Aufmerksamkeit als Währung

Zusammenfassend lässt sich sagen: Gerade dort, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden, die die Gesellschaft prägen, sind Frauen kaum im Bild und damit auch kaum als Vorbilder sichtbar. 

Die Ursachen dafür sind vielfältig und lassen sich nur teilweise eindeutig bestimmen. Einige mögliche Erklärungen liegen darin, dass mediale Sichtbarkeit immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Realitäten ist: Wo Frauen in bestimmten Bereichen selbst noch unterrepräsentiert sind, kann auch die mediale Darstellung nicht automatisch ausgeglichen sein. Es sei denn, man strebt es an. Ein genauerer Blick auf bislang weniger beachtete Bereiche kann zum Beispiel neue Geschichten sichtbar machen. Gerade in der Wirtschaft wird beispielsweise eine große Realität oft ausgeblendet. Viele Unternehmen, insbesondere Einzelunternehmen, Familienbetriebe und KMU, werden von Frauen geführt. Laut WKO Steiermark wird mittlerweile fast jedes zweite Startup in der Steiermark von Frauen gegründet.

Zum anderen entsteht die Unsichtbarkeit selten aus bewusster Ausgrenzung, sondern meist aus eingespielten Routinen: Redaktionen greifen bei Anfragen oft auf bestehende, männlich geprägte Netzwerke zurück, statt gezielt nach Expertinnen zu suchen. So bleiben dieselben Kontakte und Muster über Jahre bestehen und mit ihnen auch die Lücke auf der medialen Landkarte. Es entsteht leicht ein Teufelskreis. Denn Medien entscheiden mit, wen wir für glaubwürdig und kompetent halten. Wer als Finanzchefin, Forscherin oder Aufsichtsrätin nie im Bild ist, dem wird diese Rolle im Kopf der Öffentlichkeit nur bedingt zugetraut.

Diese Hebel sind jetzt entscheidend

Studienautorin Maria Pernegger von Media Affairs bleibt aber nicht bei der Diagnose stehen. Sie gibt auch konkrete Handlungsempfehlungen:

1. Frauen müssen in allen entscheidungsrelevanten Positionen angemessen vertreten sein.

Das ist eine Grundvoraussetzung. Mediale Sichtbarkeit ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Mediale Parität ist dort unrealistisch und verzerrend, wo die Realität von einem großen Gender-Gap geprägt ist. 

2. Bewusstsein schaffen und Sensibilität fördern

Mediale Unterrepräsentation (gemessen an der Realität) entsteht nicht immer durch bewusste Ausgrenzung, sondern auch durch Routinen, etablierte Netzwerke und unreflektierte Auswahlprozesse. 

3. Gezielte Suche nach Expertinnen

Bei Interviewanfragen, Podiumsdiskussionen oder Stellungnahmen sollten Medien aktiv nach weiblichen Expertinnen und Repräsentantinnen suchen, anstatt sich auf bestehende männlich dominierte Netzwerke zu verlassen. 

4. Mehr Frauen in Redaktionen und Führungspositionen

Divers zusammengesetzte Redaktionen berichten vielfältiger. Die Ergebnisse zeigen, dass Journalistinnen häufig stärker zur Sichtbarkeit von Frauen beitragen. Eine ausgewogene Geschlechterverteilung in Redaktionen und Leitungsfunktionen ist daher ein wichtiger Hebel. 

5. Verbindliche Ziele definieren und evaluieren

Medienunternehmen sollten konkrete Zielsetzungen formulieren, etwa hinsichtlich der Sichtbarkeit von Frauen als Expertinnen, Interviewpartnerinnen oder Titelpersonen, und deren Erreichung regelmäßig überprüfen. 

6. Genderkompetenz in Aus- und Weiterbildung verankern

Themen wie Repräsentation, Vielfalt, unbewusste Biases und geschlechtergerechte Berichterstattung sollten fixer Bestandteil journalistischer Aus- und Fortbildungsangebote sein. 

7. Frauen für öffentliche Auftritte stärken und Karrieren fördern

Organisationen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen sollten verstärkt Trainings, Mentoringprogramme und Medientrainings anbieten, um Hemmschwellen abzubauen und Frauen zu öffentlicher Sichtbarkeit zu ermutigen. Gleichzeitig greifen solche Maßnahmen nur begrenzt, wenn Frauen nicht insgesamt stärker in Leitungs- und Machtpositionen vertreten sind. 

8. Vielfalt systematisch messen

Was gemessen wird, wird sichtbar. Regelmäßige Monitorings und Evaluierungen helfen dabei, Fortschritte zu dokumentieren, Problembereiche zu identifizieren und Maßnahmen evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

Infos & Quellen

Kontext

Medienkompetenz bedeutet auch zu verstehen, wie journalistische Auswahl und Darstellung unsere Wahrnehmung von Gesellschaft prägen. Die Studie zeigt, dass Frauen in steirischen Leitmedien deutlich seltener als Expertinnen und Entscheidungsträgerinnen sichtbar sind als Männer. Für Medienschaffende heißt das: Routinen, Netzwerke und Bildauswahl kritisch hinterfragen, denn Repräsentation ist Teil journalistischer Qualität.

Quellen

Pernegger, Maria et al. in Kooperation mit MediaAffairs (2026): Bilder prägen Perspektiven. Analyse der Bildpräsenz von Männern und Frauen in ausgewählten steirischen Leitmedien im Vergleich zum Jahr 2022. https://felin.at/wp-content/uploads/2026/06/Studie-zur-Sichtbarkeit-von-Frauen-in-steirischen-Leitmedien-2026.pdf

Grafiken von FELIN.

Disclaimer

FELIN ist ein feministischer, unabhängiger Verein, der das Anliegen verfolgt, den Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Steiermark zu erhöhen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist das Erstellen von wissenschaftlichen Studien. Zum Beispiel gemeinsam mit Media Affairs, einer Agentur für Medien- und Diskursanalyse. Weitere Infos sowie die vollständige Medien-Analyse findest du hier.

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